Sommer

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Die Hitze und Trockenheit halten an. Jeden Abend schleppe ich kannenweise Wasser in meinen Gemüsegarten. Vor einigen Tagen wurde die Gerste gemäht. Ich sah zu, wie später die Strohrollen einer an den Trecker gehängten Apparatur herausfielen. Es sieht schön aus, wie sie alle auf dem Stoppelfeld liegen, aber sie sind von einem Plastiknetz umhüllt.

Plastik: in der Biodrogerie an der Holtenauer Straße in Kiel fragte ich nach einer Zahncreme, die nicht in einer Plastiktube steckt. Ich bin mit meiner Mineralstoffzahncreme ganz zufrieden, aber die Verpackung kann ich nicht mehr hinnehmen. Die Verkäuferin erzählte von gutem Plastik, weil es recyclebar ist. Aber erst mal zweifle ich daran, daß das Plastik aus den gelben Säcken tatsächlich recycelt wird. Und wenn, dann werden neue Plastiksachen draus, die Mikroteilchen in die Gegend abgeben. Ich verließ den Laden und ging zu unverpackt am Exerzierplatz. Dort fand ich Pastillen, die man etwas zerkaut, dann kann man sie mit der Zahnbürste verarbeiten wie normale Zahnpasta. Sie schmecken nach Pfefferminze und machen die Zähne schön sauber. Geht doch! Überhaupt muss ich den Laden mal wieder anpreisen. Sie haben ihr Sortiment erweitert und es gibt viel zu entdecken.

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Anpreisen muss ich auch einen Artikel aus der neuen Oya: Bildersturm – Gutes Leben, gutes Sprechen. Warum wir neue Metaphern brauchen von Johannes Heimrath. Vielleicht findet er sich auch in der Online-Ausgabe. Ansonsten lohnt es sich immer, die Oya zu kaufen, weil sie einfach nur gut ist.

Ansonsten gewöhne ich mich daran, mit dem Chaos mitzufließen: in der Klinik fehlen die Leute, unsere Station existiert zur Zeit nicht, dafür helfen wir überall aus, wo Pflegepersonal fehlt. Anfangs ging ich mit viel Ärger zur Arbeit und fand es eine Zumutung, was da mal wieder über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde. Dann bin ich mit mir selbst zu Rat gegangen und habe beschlossen, mich auf die Situation einzulassen, da ich vorerst keine Möglichkeit sehe, sie zu ändern. Die letzten Tage war ich auf der geschlossenen Aufnahmestation, wo ich von 2002 bis 2008 gearbeitet habe. Ein Kollege und ich stellten heute Morgen fest, daß wir an diesem Ort niemals irgendwelche Pläne abarbeiten können, sondern in jeder Sekunde mit dem mitgehen müssen, was das Leben uns beschert: schreiende Personen, die mit der Polizei kommen, Menschen, die wir in die Fixierung nehmen, Menschen, die so richtig ungehemmt die Sau rauslassen. Der Geräuschpegel ist enorm. Aber an diesem Platz fällt mir mal wieder auf, was für tolle Kolleg*innen ich habe. Ich kann mit den Patient*innen reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist – ach, das tu ich sowieso, alles andere ist mir zu anstrengend – und wir lachen viel. Das ist das, was zählt.

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