Matriarchat

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I. am Polarkreis

Die samische Sängerin Mari Boine sagte kürzlich in einem Interview, die Samen seien ursprünglich matriarchal organisiert gewesen. Das haben sie mit allen bisher bekannten Jäger- und Sammlerkulturen gemeinsam. Übrigens erwähnt schon Tacitus, daß bei den im hohen Norden lebenden Stämmen Männer und Frauen gemeinsam gejagt hätten. Das schmeißt das alte Vorurteil über den Haufen, daß die Männer das erlegte Wild nach Hause gebracht hätten, während die Frauen Wurzeln und Früchte gesammelt hätten. Die klassische Arbeitsteilung eben. Es ist also gar keine neue Erkenntnis.

Was Luisa Francia in ihrem Post vom 26.8. auf http://www.salamandra.de über ihren Besuch im Museum von Les Eyzies in Frankreich erzählt, macht mich traurig: wieder die ebenso alten wie falschen Klischees vom Mann als Vater aller Dinge, die Frau kommt dann unter ferner liefen. Ich war 1989 im Vézère-Tal und habe auch Les Eyzies besucht. Damals war der Tourismus in dieser Region noch überschaubar und die Museen nicht so aufgemotzt wie heute. Ich hatte dort eine wirklich schöne und aufschlussreiche Zeit, in der ich das erste Mal erfahren habe, daß Krieg eine recht neue Erfindung ist und Menschen für sehr, sehr lange Zeit in Frieden mit sich und der Natur lebten.

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Der wilde Vindelälven bei Ammarnäs

Beim Frühstück im Wandererheim in Jokkmokk hörte ich einer Unterhaltung am Nachbartisch zu: eine deutsche Frau erklärte ihren beiden männlichen Zuhörern mit großer Überzeugtheit, daß Menschen selbstverständlich intelligenter als Tiere seien, das sei schließlich auch wissenschaftlich bewiesen. Von einem ihrer Zuhörer kamen deutliche Einwände. Darauf erklärte sie, daß allein die Kunst Beweis genug für die meilenweite Überlegenheit des Menschen sei. Ich weiß, daß ich mir keine Freunde mache, wenn ich mich in die Gespräche anderer Leute einmische, aber das war mir in dem Moment egal (und ist es jetzt immer noch, denn diese Frau will ich nicht als Freundin haben). Ich sagte also: „Ich will weder mir noch euch das Frühstück verderben, aber eins muss ich jetzt doch sagen: was ich hier höre, ist die typische menschliche Überheblichkeit, die schon im Alten Testament mit dem Satz ausgedrückt wurde: Macht euch die Erde untertan usw. Wohin uns das führt, können wir jetzt ja deutlich sehen.“ Die Frau sagte nichts mehr, der Mann, der den Einwand gegen die Unterlegenheit der Tiere geäußert hatte, sagte später zu mir, daß jetzt das Zeitalter der Frauen sei, nachdem die Männer so lange geherrscht hätten und daß das für die Männer schwer wäre. Ich sagte , ich fände, daß doch auch die Männer nur profitieren könnten, wenn sie Frauen endlich auf Augenhöhe begegneten statt auf sie herunter zu sehen. Er hatte da seine Zweifel, aber wir konnten das Gespräch nicht fortsetzen. Als I. und ich zum Auto gehen wollten, stand er auf der Veranda und beim Abschied kam es zwischen uns zu einem sehr intensiven Blickkontakt, wie ich ihn nur selten erlebe. Das hat mir ziemlich gut gefallen.

Gefallen hat mir auch dieser Spruch, den ich in Göteborg an der Wand eines Cafés fand:

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Apropos Kunst: als I. und ich an einem sonnigen Tag froh und faul auf der Veranda saßen, wies sie mich darauf hin, daß die Spitzen der Fichten vor dem hellen Himmel an Schneeflocken erinnerten. Da erkannte ich es auch. Also ist die Natur die allererste Künstlerin!

 

 

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