Synchronizität

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Heute las ich in Annine van der Meers schönen Buch The Language of MA the Primal Mother das Kapitel über Wasserheiligtümer. Da war auch von Notre Dame auf der Île de la Cité in Paris die Rede. Die gotische Kathedrale ist auf einem alten Wasserheiligtum in der Seine errichtet worden. Wie überall auf der Erde haben sich die Christen auch hier die alte Stätte angeeignet. Als ich ein paar Stunden später zum Nachtdienst kam, erfuhr ich, daß Notre Dame in Flammen stand. Welch eine Synchronizität! Ich sah mir dann die Bilder der brennenden Kathredrale im Internet an und musste an die Geschichte denken, die Ute Schiran uns einmal erzählt hatte: als der Kölner Dom auf einem  Matronenheiligtum gebaut wurde, hätten die Dämonen gedroht: „Wir werden wiederkommen.“ Diese Geschichte ist im Kölner Staatsarchiv hinterlegt. Ich finde sie irgendwie tröstlich. Mit den Dämonen sind natürlich die Geister jenes Ortes gemeint. Aus den drei Matronen wurden dann die drei Könige, denen der Dom geweiht ist.

Zu Notre Dame habe ich praktisch keine Beziehung. Ich habe sie besucht, als ich 1983 zum ersten Mal allein in Paris war, aber ich kann mich nur noch an die Wasserspeier erinnern. Ansonsten war ich beim Gang durch die Kirche sehr damit beschäftigt, mir zu überlegen, wie ich dem Mann entkommen könnte, der draußen auf mich wartete. Er hatte mich angesprochen und wollte mich zum Kaffee einladen. Ich war damals noch zu schüchtern, ein klares Nein zu sagen.

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Vorgestern auf dem Weg vom Nachtdienst nach Hause hörte ich auf NDR Info einen Bericht über das Paläon in der Nähe von Helmstedt. Man hat dort in einem Braunkohletagebau acht Wurfspeere gefunden, die vor etwa 300.000 Jahren von Urmenschen benutzt worden waren, um große Tiere zu erlegen. Eine Gruppe von Schülern war da und zeigte sich völlig verblüfft, als der Archäologe ihnen erklärte, daß auch Frauen an der Jagd beteiligt gewesen seien. Eine Schülerin sagte, sie hätte gelernt, daß die damaligen Frauen nur eine sehr kleine Rolle gespielt hätten, ihre Aufgabe sei es gewesen, sich um die Kinder zu kümmern. Das erschreckte mich. Es zeigt, daß junge Menschen in Schule und Familie immer noch völlig antiquierte Mythen über die Rolle von Frauen lernen. Daß Frauen an der Jagd beteiligt waren, liegt auf der Hand. Gerade große Tiere wie Mammuts konnten nur von einer Gruppe von Menschen getötet werden. Nicht nur das Bild der Frau als Jägerin ist heutigen Menschen fremd, auch das gemeinsame Wirken von Menschen, um an Nahrung zu kommen, entspricht nicht dem heutigen Modell. Wissen wir doch auch von Wölfen, daß sie gemeinsam jagen. Katzen, Löwinnen, Tigerinnen, Füchsinnen – sie alle jagen. Warum sollte es bei Menschenfrauen anders sein? Die Verbannung der Frauen in den häuslichen Bereich kam doch erst mit dem Patriarchat. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch den Mythos anzweifeln, daß Frauen immer schon Männern muskulär unterlegen waren. Es könnte genauso gut sein, daß die geringere physische Kraft eine Folge der jahrtausendealten Reduzierung der Frauen auf den häuslichen Bereich ist. Wenn ich Klischees höre wie das, Männer seien ursprünglich dazu da gewesen, die Frauen der Sippe vor den Säbelzahntigern zu schützen, kann ich nur herzhaft lachen. Überhaupt scheint mir dieses Bild vom Mann als Beschützer ein ziemliches Konstrukt zu sein. Ich kann mich in meinem Leben nur an ein einziges Mal erinnern, wo ich Schutz durch Männer erfahren habe: vor über 20 Jahren hat ein wahnhafter junger Mann, den ich gerade in sein Zimmer auf meiner Station gebracht hatte, versucht mich zu küssen. Ich wehrte mich  mit aller Kraft und es entstand eine Pattsituation. Er hielt mich fest und ich konnte verhindern, daß er mir mit seinem Gesicht näher kam, aber ich kam nicht aus seiner Umklammerung raus. Nach einigen Minuten Gerangel sprangen die beiden anderen jungen Patienten, die sich im gleichen Zimmer aufhielten, aus ihren Betten und pflückten den Mann von mir, dabei begütigend auf ihn einredend: „Mensch, lass doch mal die Schwester in Ruhe.“ Ich bin ihnen immer noch dankbar. Der wahnhafte Mann hat sich übrigens einige Tage später unter Tränen bei mir entschuldigt und das habe ich angenommen. Er war wirklich krank und hatte die ganze Situation völlig verkannt.

Ein Mann, dem ich Sex verweigert hatte, verdrehte mir bei einem zufälligen Treffen in einer Kneipe in Münster so heftig und schmerzhaft den Arm, daß ich fürchtete, er werde ihn brechen. Dabei zischte er mich an: „Du bist Strychnin.“ Da war keiner, der mir geholfen hätte. Also hört mir auf mit den Männern als Beschützer. Ich möchte mich da lieber auf mich selbst verlassen.

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