Sexualität und Grenzen

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Das letzte Modul stand unter dem Motto „Sex und Hingabe“. Wieder jede Menge sehr handfeste Körperarbeit. Dazu gehörte auch die Arbeit mit dem Jadeei, die aus dem Qi Gong stammt. Ein Ei aus Halbedelsteinen, vorzugsweise Jade oder Obsidian, wird in die Möse eingeführt, besser von ihr sozusagen „eingeatmet“ und dann mit Hilfe von Atmung, Muskelan- und entspannung und Spüren mit ihm geübt.

Ich glaube, die meisten Frauen haben, so wie ich, gelernt, daß die Vagina weitgehend gefühllos ist, weil sie sonst den Schmerz des Gebärens nicht aushalten könnte. Daß das nicht stimmt, habe ich in der Folge meiner Körpertherapie vor 32 Jahren erfahren können. Seitdem weiß ich, daß die Möse ein lebendiges und sehr empfindungsfähiges Organ ist, seitdem finde ich anderslautende Behauptungen absurd. Sie ist doch schließlich dazu da, uns und den Menschen, die wir in uns hinein lassen, Lust und Freude zu schenken. Wie kam es nun aber zur Gefühllosigkeit vor dem Erwachen meiner Möse im Jahr 1987?

Weil ich mich seit meinen ersten sexuellen Begegnungen immer wieder über meine eigenen Grenzen hinweggesetzt habe. Ich habe oft Männer in mich hineingelassen, auf die ich nicht wirklich Lust hatte, weil sie es wollten, weil ich nicht verlassen werden wollte, weil man das eben so macht, weil ich sexuell aufgeschlossen sein wollte, weil ich nie gelernt hatte, daß es gut und richtig ist, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu schützen. Die sogenannte sexuelle Revolution der 60er Jahre war dabei nur begrenzt hilfreich.

Nach 1987 hatte ich mit keinem Mann mehr Sex, wenn ich nicht wirklich wollte. Aber ich habe in nicht-sexuellen Bereichen immer noch oft meine eigenen Grenzen nicht bewusst wahrgenommen. Oft habe ich Dinge gemacht, weil ich mich verpflichtet fühlte, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich Sympathien nicht verlieren wollte, weil ich jemandem gefallen wollte. Beispiel: In meiner Arbeit mit Geflüchteten gibt es viel Bedürftigkeit. Wenn es nach ihnen ginge, müsste ich sie jeden Tag besuchen. Aber das will ich nicht. Also muss ich klar sagen: „Ich habe einmal in der Woche ca. 3 Stunden Zeit für euch.“ Gestern wurde ich mal wieder bedrängt, doch öfter zu kommen und ertappte mich dabei, daß ich anfing mich zu rechtfertigen und aufzuzählen, was ich alles zu tun habe. Jetzt, wo ich es gemerkt habe, werde ich mir das Rechtfertigen abgewöhnen.

Ich bin übrigens davon überzeugt, daß die Beziehungen zwischen uns viel erfreulicher würden, wenn wir lernten, genau das zu tun und zu lassen, was wir wirklich wirklich wollen. Das lerne ich auch von meiner Katze: wenn sie keine Lust mehr auf Streicheln hat, dann geht sie einfach. Keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung, kein Rumeiern, sondern klare Kante. Großartig!

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