Nachhaltig?

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Im Blog von Werner (ich freue mich, Werner, daß dir mein letzter Post gefallen hat!) habe ich die Kopie eines Leserbriefs aus der österreichischen Kronenzeitung gefunden, die sich kritisch mit Fridays for Future auseinandersetzt: http://www.traumlounge.wordpress.com vom 3.10.2019 (ist die Kronenzeitung nicht das österreichische Pendant zur Bildzeitung?). Der Schreiber fühlt sich offensichtlich persönlich angegriffen und erzählt, wie er unter einfachsten Verhältnissen in den 50er Jahren klimafreundlich gelebt hat, einfach weil seine Familie arm war. Dann konfrontiert er die heutigen Jugendlichen mit ihrem verschwenderischen Lebensstil.

Für einen ganz kurzen Moment habe ich gedacht: Ja! Aber im nächsten Moment habe ich den Denkfehler der Argumentation gefunden: Ich bin drei Jahre nach dem Leserbriefschreiber geboren, also acht Jahre nach dem Kriegsende. Bis zum Beginn meiner Schulzeit hatten wir weder Waschmaschine noch Kühlschrank, kein Telefon und kein Auto, dafür aber wie alle Haushalte eine Speisekammer, es gab keine elektrischen Küchengeräte, keinen Fernseher (den gab es auch später nicht, aus prinzipiellen Erwägungen meiner Eltern). Abends wurden Gesellschaftsspiele gespielt oder wir haben gelesen, gemalt, gebastelt, Geschichten erzählt, genäht, gestrickt, gehäkelt. Die Klamotten von meinem Bruder und mir wurden von meiner Oma und meiner Mutter genäht und gestrickt. Kaputte Kleidung wurde geflickt, Socken wurden gestopft (was ich auch jetzt noch mache, jedenfalls bei selbstgestrickten Socken). Wir haben ab und zu gebadet, ansonsten war jeden Tag Waschen am Waschbecken mit kaltem Wasser angesagt (damit habe ich seit dem Survivaltraining 1993 in Schweden wieder angefangen. Ich dusche nur noch alle vier Tage, dann natürlich warm). Milch wurde in einer Milchkanne aus Blech vom Milchladen geholt, da gab es auch Quark, der hieß Schichtkäse und wurde in Papier gewickelt. Fleisch und Fisch gab es nicht täglich, Lebensmittel holte meine Mutter aus der Markthalle in Hannover, alles konnte man lose kaufen. Man nahm halt Taschen und Einkaufsnetze mit. Es gab keine in Plastik verpackten Sachen. Das meiste kam aus der Region, nur im Winter wurden Orangen und Bananen angeboten. Soweit so nachhaltig (ich finde ja das durch die Oya kreierte Wort „enkeltauglich“ besser). Aber wir haben, wie wahrscheinlich die allermeisten Haushalte mit Kohle geheizt.  Ich nehme an, daß das auch beim Leserbriefschreiber so war. Damals war das Ruhrgebiet, wo die Kohlen herkamen, eine legendär versmogte Region in Westdeutschland. Die Luft war so dreckig, daß im Winter eine schwarze Schicht auf dem Schnee lag, wie man mir erzählte.

Aber dann kam das sogenannte Wirtschaftswunder und damit die Autos, die Kühlschränke, die Fernseher, die elektrischen Geräte usw. Und alle, die es sich irgendwie leisten konnten, machten mit und kauften und kauften. Das wird auch beim Schreiber des Leserbriefes nicht anders gewesen sein. Was ich damit sagen will: unsere Generation ist eben doch mitverantwortlich für den Klimawandel. Ich rede nicht von Schuld. Nach meiner Erfahrung führen Schuldzuweisungen nicht dazu, daß irgendetwas besser wird. Mir ist das Konzept der Verantwortung sympathischer, denn da geht es darum, daß Antworten auf Fragen gefunden werden: Wie ist es dazu gekommen, daß wir heute am Rande des Abgrunds stehen? Was kann ich tun? Und in meinen Augen noch viel, viel wichtiger: was kann ich lassen? Und da fällt mir immer noch wieder was Neues ein, was ich persönlich lassen kann und das macht mich jedes Mal ziemlich zufrieden.

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Ich würde übrigens gern auf den Kühlschrank verzichten. Aber meine bisherigen Versuche, zu kühlende Lebensmittel draußen in einer isolierten Kiste zu lagern, waren wenig erfolgversprechend. Im Winter sind mir dann doch Sachen eingefroren. Eine Speisekammer wäre schön, aber diese sinnvolle Einrichtung existiert in neuen Häusern leider gar nicht mehr und im Zuge der Wärmedämmung sind die Speisekammern in den alten Häusern unbrauchbar gemacht worden. Sehr bedauerlich!

In der letzten Oya las ich in einer Rezension von Ute Scheub zu Paul Hawkens Buch Drawdown – der Plan Folgendes:

„Folgt man dem Ranking von Hawkens Team, ist die wirksamste Maßnahme 〈den Klimawandel zu stoppen〉 der Verzicht auf Fluorkohlenwasserstoffe (FKW), der zu einer Reduktion  von fast 90 Gigatonnen Treibhausgasen führen würde. Diese Kältemittel ersetzten die ozonzerstörenden FCKWs in Kühlschränken und Klimaanlagen, sie seit dem Abkommen von Montreal 1987 nicht mehr verwendet werden, sind jedoch 1000- bis 9000-mal klimaschädlicher als CO2. Hier wurde also der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.“

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Ein Kommentar zu „Nachhaltig?

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