Frauenarbeit

IMG_1995

Laut Oxfam leisten weltweit Frauen die allermeiste unbezahlte Arbeit. Das ist ja nicht wirklich was Neues, daß Frauen nach wie vor diejenigen sind, die für die Pflege- und Fürsorgearbeit zuständig sind. Ich habe an anderer Stelle schon mal festgestellt, daß diese Arbeit unsichtbar ist, obwohl ohne sie jede Gesellschaft zusammenbrechen würde. Das ist einer der beiden Gründe, warum ich mich überhaupt nicht mehr danach sehne, mit einem Mann zusammen zu leben. Ich habe zweieinhalb Mal die Erfahrung gemacht, daß die allermeiste Hausarbeit an mir hängen blieb (in meinen beiden Ehen und mit Exfreund K., der mal für wenige Wochen bei mir und meiner Tochter wohnte bis ich ihn rauswarf, weil ich es nicht mehr ertrug, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und zu sehen, daß er keinen Handschlag getan hatte, obwohl er damals arbeitslos war. Mit meinem zweiten Ehemann ging es mir haushaltsmäßig besser, aber trotzdem schliff sich nach einiger Zeit ein, daß er weniger und ich mehr machte. Und es hat mich gewaltig angekotzt, daß es immer wieder Ärger um den Abwasch gab, obwohl wir einen Plan hatten. Er wollte diesen Plan nicht und meinte, das regelte sich doch von allein. Ja, es hätte sich von „allein“ geregelt: ich hätte täglich abgewaschen, weil ich es nicht ertragen hätte, in einer Küche mit Bergen von ungewaschenem Geschirr zu kochen. Ich habe es gern ordentlich und verwende trotzdem nicht viel Zeit auf die Hausarbeit, einfach weil ich alles gleich erledige und sich gar nichts anhäufen kann. Nicht, daß Hausarbeit zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, aber sie muss halt getan werden. Ich mache sie einfach und denke gar nicht drüber nach. Außerdem nehme ich sie als Gelegenheit Radio zu hören und erfahre so, was ich vom Weltgeschehen wissen muss.

Übrigens bekomme ich immer wieder zu hören, auch und gerade von Männern, daß sie sich bei mir wohl fühlen, gerade weil alles ordentlich und überschaubar aussieht. Ja, ich fühle mich auch bei mir sehr wohl. Ich mag Männer, aber zusammenleben, nee! Der Keks ist gegessen!

IMG_1998

Ein weiterer Grund, warum ein Zusammenleben als Paar für mich nicht mehr denkbar ist, ist die Erfahrung, daß ich viel allein sein muss, um mich gut zu fühlen. Ich glaube, daß ich da zu einer eher seltenen Spezies gehöre. Die meisten Menschen, die ich kenne, brauchen die mehr oder minder ständige Anwesenheit von Anderen. Das kann ich nur mit wenigen Menschen länger aushalten: mit meinen Kindern und meinem Schwiegersohn, wenn sie zu Besuch oder wir im Urlaub sind, mit Freundin I., die sich auch gut allein beschäftigen kann. Bei Lebensgefährten allerdings habe ich regelmäßig erlebt, daß es da viele unausgesprochene Ansprüche und Erwartungen gibt. Wenn die nicht erfüllt werden, ist Ärger vorprogrammiert. Ich glaube, daß es in vielen Beziehungen die Erwartung gibt, der Andere sei dazu da, einen Mangel, eine innere Leere zu füllen. Das kann nur schief gehen. Ich war sehr jung, als ich das erste Mal geheiratet habe und ich kannte damals sowohl das Mangelgefühl als auch die Erwartung, daß mein Mann gefälligst meine Leere zu füllen habe. Hat er nicht getan (hätte er auch nicht gekonnt, selbst wenn er es gewollt hätte), und das hat zu viel Streit geführt. Immerhin habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, mir selbst genug zu sein und das ist großartig! Alle Freundschaften und Beziehungen, die ich mittlerweile habe, bestehen in einem Feld großer persönlicher Freiheit: ich erwarte nichts und ich freue mich über gelungene Begegnungen. Und wenn es mal Unstimmigkeiten gibt, dann können wir mit großer Aufrichtigkeit damit umgehen.IMG_2000

Und wofür brauche ich das Alleinsein? Um mich mit der Natur zu verbinden, um in das Feld der mehr-als-menschlichen Welt einzutauchen. Meine Empfindungen sind intensiver, meine Wahrnehmungsfähigkeit wird weiter, wenn ich allein bin. Das ist mein Lebenselixier. Wenn ich in der Vergangenheit diese täglichen Zeiten ohne andere Menschen nicht hatte, bekam ich schlechte Laune. Eigentlich sagt das Wort allein schon alles: all-eins. Im Alleinsein kann ich meine Zugehörigkeit zum Großen Ganzen am besten fühlen. Und wenn ich dann das Bedürfnis habe, tauche ich wieder in die Welt der Menschen ein und kann das ebenso genießen.

Priesterin

IMG_1992

Ich stimme dem Post von Luisa Francia zum Thema Hohepriesterin am 9.1. voll und ganz zu (salamandra.de). Ich möchte noch weiter gehen: das ganze Priesterinnenkonzept (ohne Hohe-) finde ich mehr als fragwürdig. Es ist ziemlich gleichgültig, ob wir es mit einem Priester oder einer Priesterin zu tun haben, egal welcher Glaubensrichtung: diesem Konzept liegt nämlich die Überzeugung zu Grunde, daß es einen Vermittler/eine Vermittlerin zwischen Menschen und dem Spirituellen geben muss, daß ein „normaler“ Mensch gar nicht in der Lage ist, selbst eine Verbindung mit dem Bereich einzugehen, den einige göttlich nennen. Das ist ein sehr elitäres Denken, das Missbrauch Tür und Tor öffnet. Jeder Mensch, der den starken Wunsch nach einem Zugang zu diesem Bereich in sich spürt, wird Mittel und Wege finden, sich ihm zu nähern. Manchmal geschieht das auch von selbst, wird quasi geschenkt. Und bei jedem Menschen wird dieser Zugang und das, was er und sie hinter der Tür findet, anders aussehen, und all diese Erfahrungen sind gleich-gültig (haben die gleiche Gültigkeit).

Der englische Mystiker William Blake hat das sehr schön ausgedrückt:

If the doors of perception were cleansed then everything would appear to man as it is, Infinite. For man has closed himself up, till he sees all things through narrow chinks of his cavern“. (Wären die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene dem Menschen alles so wie es ist, unendlich. Weil der Mensch sich selbst verschlossen hat, sieht er alle Dinge durch den schmalen Spalt seiner Höhle.)

Wie können die Pforten der Wahrnehmung gereinigt werden? Indem wir den Geist, der uns ständig erzählt, wie die Welt ist und wie sie zu sein hat, zum Schweigen bringen. Einige machen das durch regelmäßiges Meditieren, sich in der Natur aufhalten ist eine gute Möglichkeit; letztlich muss jede und jeder für sich selbst herausfinden, wie das gehen kann. Und natürlich können dabei andere behilflich sein, die auf diesem Weg schon mehr Erfahrungen machen konnten. Aber das sind keine Priester*innen, die das Exklusivrecht auf Verbindung mit dem haben, was hinter allem steht.

Ich befasse mich gerade mit dem Buch Advanced Yoga Practises – Easy Lessons for Ecstatic Living von Yogani. Er schreibt nach jeder Lektion „The guru is in you“ und  widmet das Buch denen, die die Wahrheit in sich suchen. Das ist genau das, was ich meine.

IMG_1989

In den Medien wird die Tötung des Iraners Soleimani im Irak durch die Amerikaner immer als „gezielte Tötung“ bezeichnet. Warum wagt kein Journalist, diesen Vorgang mit dem Wort Mord zu benennen? Denn genau das ist es. Auch Obama hat gern zu dem Mittel gegriffen, missliebige Personen umzubringen, etwa Osama bin Laden. Wenn aber die Russen jemanden durch radioaktive Substanzen oder auf andere Weise töten, wird von Mord gesprochen. Das spricht doch für sich.

Raunächte

IMG_1990

Ich war zehn Tage nicht im Netz und es hat mir nichts gefehlt. Eigentlich ist das nichts Außergewöhnliches: wenn ich auf Reisen bin, gehe ich nicht ins Internet und lese auch keine Mails. Aber zu Hause schaue ich fast täglich rein. Dieses Mal hatte ich keinerlei Bedürfnis. Ich denke, wer etwas von mir will, kann das gute alte Festnetz benutzen oder mir eine SMS schreiben. Angesichts des ungeheuerlich ansteigenden Stromverbrauchs durch die Benutzung der digitalen Medien, der mittlerweile in Begriff ist, die Hauptursache für den CO2-Ausstoß zu werden, finde ich diese Internetseite interessant, allerdings nur auf Englisch und Französisch verfügbar: theshiftproject.org/en/article/lean-ict-our-new-report/

Es geht um „digital sobriety“ (digitale Nüchternheit). Daß bei der Nutzung von Laptop, Tablet und Smartphone Strom verbraucht wird und zwar am wenigsten beim Aufladen, machen sich viele wohl gar nicht klar. Apropos Aufladen: am letzten Donnerstag konnte ich mein Handy nicht aufladen. Das erschien mir schon irgendwie folgerichtig, nachdem ich meine Internetabstinenz so genossen hatte. Wie sich herausstellte, lag es am Stecker des Ladekabels. Am selben Tag fiel mir der Adapter eines anderen elektrischen Geräts aus der Hand und war kaputt. Da musste ich lachen. Manche meinen, ich sei eventuell schlecht informiert, da ich weder Fernsehen noch Tageszeitung habe und das Internet sehr wählerisch in Anspruch nehme. Ich höre täglich beim Abwaschen NDR Info, etwa eine Viertelstunde lang. Das reicht meistens, weil ich dann schon wieder die Schnauze voll habe von dem Irrsinn, der in der Welt passiert. Einmal in der Woche lese ich die Süddeutsche Zeitung, wenn ich im Blé noir in Kiel Kaffee trinke. Eher selten hole ich mir Infos aus dem Netz. Von I. habe ich einen Stapel alte TAZ bekommen, die ich zum Feueranmachen benutze. Manchmal fängt dann ein Bild oder eine Überschrift meine Aufmerksamkeit ein, wie heute das Foto eines verdurstenden Känguruhs. Das hat mir die Stimmung versaut. Australien brennt und ich ahne, daß das nur ein Vorgeschmack ist. Haltet mich für herzlos, aber mich schmerzen die vielen Tiere, die in den gewaltigen Buschbränden untergehen, mehr als die Menschen, die vor den Flammen flüchten müssen. Sie sterben, weil die menschliche Gattung seit Jahrtausenden und in zunehmendem Maße weit über ihre Verhältnisse lebt.

IMG_1976

Weihnachten war aber schön. Die Kinder und der Schwiegersohn waren da, alles lief ruhig und friedlich. Ich habe einen Stapel Bücher geschenkt bekommen, fast alle auf Englisch. Jetzt habe ich erst mal wieder genug zu lesen. Am 1. Feiertag machten wir unseren traditionellen Strandspaziergang und aßen anschließend in Hohwacht in einem schlichten Imbiss Fischbrötchen. Meine Tochter blieb bis Sonntag. Wir machten noch einen langen Gang am Sehlendorfer Strand und kamen bis zur Steilküste am Eitz, meinem alten Revier aus meiner Zeit in Kükelühn.

Es war schön meine Familie bei mir zu haben und es war genauso schön, die Wohnung wieder für mich allein zu haben und die restlichen Raunächte ruhig zu verbringen. Ich hatte auch keinerlei Impulse, nach der Abreise meiner Lieben irgendwelche Putzaktionen zu unternehmen. Das lag sicher auch daran, daß meine Tochter am letzten Tag ihres Besuches richtig schön Ordnung gemacht hat. Ich habe gestern nur einen Socken meines Schwiegersohnes im Wohnzimmer gefunden. Die Staubmäuse sammeln sich in den Ecken, und ich, die ich so ordentlich bin, störe mich gar nicht daran. Das wundert mich selbst ein wenig. Sollte ich im Alter noch schlampig werden? Das wäre wirklich was Neues.

IMG_1981